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"Wir sind da!": Barbara Levc: Vielfalt im Hörsaal

Episode Summary

„Wir sind da!“ eine vierteilige Podcast-Serie über Selbstbewusstsein, Selbstbestimmung und Sichtbarkeit von Frauen mit Behinderungen

Episode Notes

Wer sind eigentlich die Studierenden, die Unterstützung im Studium brauchen – und warum?

In dieser Folge sprechen wir mit Barbara darüber, welche Gruppen sich besonders häufig an Beratungsstellen wenden. Dabei zeigt sich: Viele Studierende bringen Herausforderungen mit, die im Hochschulalltag oft unsichtbar bleiben – etwa im Bereich Neurodivergenz oder psychischer Belastungen.

Ein Thema ist dabei auch die Frage, welche Barrieren es für Frauen mit Behinderung an Universitäten gibt - und warum viele ihre Diagnose, etwa im Bereich ADHS oder Autismus, erst an der Universität erhalten.

Doch auch Studierende mit Seh-, Hör- oder Bewegungsbehinderungen brauchen passende Rahmenbedingungen, um ihr Studium erfolgreich absolvieren zu können. Wir sprechen über die Bildungsbiografie von Barbara Levc, die als blinde Frau ihr Hochschulstudium hart erkämpft hat,  über Hürden im Schulsystem und darüber, was es braucht, damit mehr Menschen mit Behinderung den Weg an die Hochschule finden und dort erfolgreich studieren können.

Episode Transcription

Herzlich Willkommen, sagt Sandra Knopp. In den kommenden vier Podcastfolgen stelle ich Ihnen Frauen mit Behinderungen vor, die andere dabei unterstützen ihren eigenen beruflichen Weg zu finden. Sie erzählen von ihrem Lebensweg, wie sie Barrieren überwunden haben und wie sie wurden, was sie sind. Wir sprechen darüber, welche Rahmenbedingungen es braucht, damit mehr Frauen mit Behinderung einen Job finden und warum es gerade in wirtschaftlich angespannten zeiten einen inklusiven Fokus braucht.

Levec: Also aktuell die größte Gruppe der Studierenden, die uns kontaktieren, Studierende im Bereich Neurodivergenz, also das sind Personen mit ADHS, mit eben im Autismus-Spektrum, aber auch zum Beispiel mit Legasthenie, Dyslexie. Und die zweitgrößte Gruppe sind Studierende mit psychischen Beeinträchtigungen beziehungsweise Studierende mit mehrfacher Beeinträchtigung, weil sich einfach zeigt, dass die Bildungsbiografie von Personen im Neurodivergenz-Spektrum, wenn sie nicht entsprechend diagnostiziert wurden, nicht entsprechend unterstützt wurden, sondern eher auch diskriminiert wurden, vielleicht ins Burnout führt oder andere psychische Problematiken als Reaktion sozusagen nach sich zieht und deswegen dann auch das in Kombination auftritt. Wir haben immer noch relativ viele Studierende mit Sehbehinderung, Blindheit und mit Bewegungsbehinderung und im Bereich Hörbehinderungs- und Gehörlosigkeit gibt es jetzt auch für den steirischen Hochschulraum die Service Stelle GESTU, Gehörlos erfolgreich Studieren, die eben da die Unterstützung organisiert, das heißt die Studierenden wenden sich meistens direkt an die Service-Stelle GESTU. Und wir unterstützen dann hauptsächlich noch zum Beispiel bei Prüfungen und so weiter. 

 

Barbara Levc leitet an der Karl-Franzens-Universität in Graz das Zentrum „Integriert Studieren.“ Das ist eine Beratungs- und Servicestelle für Studierende mit Behinderung. Außerdem ist sie an der Pädagogischen Hochschule Graz tätig, wo sie auch lehrt. Barbara Levc, sie ist 61 Jahre alt, ist in der Steiermark geboren und aufgewachsen. Aufgrund einer Augenerkrankung ist sie zunächst schwer sehbehindert und später blind. Einen Teil ihrer Schulzeit hat sie in einem Internat des Bundesblindeninstituts in Wien verbracht. Obwohl sie Schulsprecherin war und als Jugendliche bei einem Club 2 zum Thema Inklusion eingeladen war, waren manche Menschen erstaunt, dass sie unbedingt studieren wollte. 

Levec:)Ich habe dann, nachdem ich die Schule in Wien abgeschlossen habe, doch einige Zeit lang auf einen Arbeitsplatz gewartet, also über ein Jahr, und habe in der Zeit in Graz Freunde gefunden, die waren gleich alt wie ich, und die waren gerade in der Phase, wo sie Matura gemacht haben, und dann halt an die Uni gehen wollten. Und dann habe ich doch meine Anstellung in der Telefonvermittlung im Amt der Steiermärkischen Landesregierung bekommen. Und meine Familie war irgendwie so, ja so, jetzt ist alles erledigt, versorgt bis zur Pension. Ich habe aber sehr bald gemerkt, das ist nicht das, was ich so für mein ganzes Arbeitsleben machen will, weil ich hatte also wirklich auch so den Wunsch, ich möchte eine Arbeit machen, die ich gern tue. Weil ich habe das ebenso aus meiner Familie manchmal mitbekommen, wie Leute dann sozusagen nur noch die Jahre zählen bis zur Pensionierung und das will ich auf keinen Fall. Und dann habe ich eben ausgelotet, wie ich vielleicht doch zu einem Matura komme. Knopp: Und haben eine Abendschule gemacht. Levc: Genau, genau und habe da sozusagen meine erste schüchterne Anfrage telefonisch gemacht, bin bei der Direktorin angekommen, bei der damaligen im Bundesgymnasium für Berufstätige, dem Abendgymnasium in Graz und die hat auch einen sozusagen lebenswegentscheidenden Satz gesagt, weil sie hat ihm gesagt, ja das ist ein interessantes Experiment, wenn sie ablehnend gewesen wäre, ich hätte mich sicher nicht getraut das durchzusetzen. Ja, und dann haben wir dieses Experiment gestartet. 

 

Damals war Barbara Levc 19 Jahre alt. Nach der Matura studierte sie  Erziehungswissenschaften mit Schwerpunkt Sozial- und Integrationspädagogik in Graz. Sie fand Freunde, die sie im Studium unterstützen, etwa wenn es darum ging das dicke Vorlesungsverzeichnis zu durchforsten. 

Levec: Sehr aufregend irgendwie, sehrtoll und dann aber auch, also natürlich ja immer wieder die Frage, wie wird das funktionieren. Ich habe den Vorteil gehabt, ich war zu dem Zeitpunkt doch schon rund fünf Jahre älter als die anderen Studienanfängerinnen, weil eben die Zeit vom Abendgymnasium da ja auch noch dazwischen war. Ich habe keine Scheu gehabt, irgendwohin Fragen zu gehen und ich habe zufällig heute einmal mit einem Kollegen drüber geredet. Ich bin heute ins Sekretariat marschiert. Anderen Studierende wurden da sehr schnell wieder hinauskomplimentiert. Mir sind die Sachen aber durchaus erklärt worden Und ich bin dann aber damit zur Informationsquelle für die anderen Studieren geworden. Also das hat sich irgendwie recht nett entwickelt. Und es war auch so, das Institut für Erziehungswissenschaften war damals noch relativ klein. Und ja, eher so ein bisschen eine sehr persönliche Atmosphäre. Das hat natürlich auch geholfen, weil ich mir damals noch mit allen Lehrenden eine eigene Prüfungsstrategie ausmachen musste, weil eben die technischen Hilfen, die es jetzt gibt, die Möglichkeiten, die waren ja damals noch ziemlich weit weg. Und da habe ich dann eben sehr viele Prüfungen mündlich gemacht. Die Statistikprüfung habe ich dann so gemacht. Dass ich, so wie ich vorher auch im Abendgymnasium meine Schularbeiten geschrieben habe, zuerst in Braille, dann auf einer Kofferschreibmaschine abgetippt und nach dem eigentlichen Klausurtermin im Büro des Professors, der dann auch so nett war, dass er zwischendurch mit meinem Blindenführhund Gassi gegangen ist. Also da war sehr viel Improvisation, aber auch sehr viel Bereitschaft, das einfach mal zu probieren. 

Knopp: Studieren mit Behinderung muss sich unglaublich verändert haben, oder? In den letzten Jahren alleine der technische Fortschritt. Vielleicht auch ein anderes Verständnis für Inklusion. 

Levec: Von der Zeit, wo ich an der Uni angefangen habe, im 1994, da war sozusagen das erste große Thema Gebäude, Barrierefreiheit von Gebäuden, weil wir haben halt sehr viele historische Universitätsgebäude. Da habe ich immer wieder mal noch den Satz gehört, wieso braucht man das? Ich habe hier noch nie einen Rollstuhlfahrer gesehen. Ich habe gedacht, eh klar, wenn er nicht einer kommt. Also da hat sich einfach auch durch das Behinderten-Gleichstellungsgesetz einiges geändert. Also das ist jetzt einfach common sense, dass man in ein Gebäude barrierefrei rein muss, dass es barrierefreie WCs geben muss und auch eben sozusagen andere Mindeststandards, die einfach da sein müssen und generell, indem auch mehr Studierende da sind und indem das Thema überhaupt präsenter ist, ist es auch an der Uni wesentlich besser verankert. Es gibt immer noch Situationen, wo wir an Grenzen stoßen oder für die Studierenden ein bisschen was erstreiten müssen und so weiter. Aber im Großen und Ganzen hat sich auch die Haltung geändert. Also was wir Ende der 90er, Anfang der 2000er Jahre noch gehört haben im Hinblick auf Legasthenie, wenn jemand nicht rechtschreiben kann, hat er an der Uni nichts verloren. Sind diese Sachen heute durchaus akzeptiert und das ist halt auch ein Generationenwechsel bei den Lehrenden und bei den Professoren, wo halt sozusagen jüngere Personen da auch generell ein ganz anderes Bewusstsein für Diversität haben. 

 

Seit 1994 ist Barbara Levvc Behindertenbeauftragte der Karl-Franzens-Universität Graz, seit 2004 leitet die Mutter eines erwachsenen Sohnes das Zentrum Integriert Studieren. Laut der aktuellen Studierendenerhebung aus dem Jahr 2023 geben 20 Prozent aller Studierenden an, von einer studienerschwerenden Beeinträchtigung betroffen zu sein. Das ist gegenüber der letzten Erhebung 2019 ein Zuwachs von 10 Prozent. Gestiegen ist besonders die Zahl an jenen mit psychischen Erkrankungen und jenen aus dem Neurodivergenz-Bereich. Die Uni Graz geht von ca 16 Prozent aus, die eine studieren erschwerende Beeinträchtigung haben. Das wären rund 4500 Menschen. Mit dem Zentrum Integriert Studieren sind nicht alle in Kontakt. 

Barbara_Weg zu uns (1:58 Sek)Wir sind präsent über die Webseite. Wir sind auch immer bei Informationsveranstaltungen und so weiter präsent. Sind auch so etabliert an der Universität, dass teilweise auch Lehrende oder auch die allgemeine Studienberatung die Studierenden dann zu uns weiterleitet. Aber es ist halt doch so, dass die Studieren, die zu uns kommen. Einerseits ausgeprägtere Beeinträchtigungen haben und auch sozusagen das Gefühl haben, sie wollen die Unterstützung, sie brauchen die Unterstützung. Das hat schon auch ein bisschen was mit Outing zu tun, gerade bei den nicht sichtbaren Beeinträchtigung. Wir haben natürlich sozusagen dieses Häkchen Behinderung, also gerade eben bei den sichtbare Beeinträchtigungen, die sich jetzt wirklich so einzunehmen, okay, ich bin von einer Behinderung betroffen, ich zähle mich zu dieser Gruppe. Also da spielen einige Dinge mit und eben natürlich sozusagen der konkrete Anlass, dass eben eine Problematik auftritt, von der man denkt, da brauche ich jetzt Unterstützung und auch so die Info hat, da könnte ich Unterstützung bekommen. Also wir haben teilweise Studierende, die melden sich und sagen, ich habe jetzt diese Diagnose, welche Möglichkeiten habe ich. Andere... Wirklich erst sozusagen, wenn der Hut brennt, wenn sie schon vor der kommissionellen Prüfung stehen, weil es ist eben so lang wie möglich, das hat auch mit dem eigenen Selbstwert teilweise zu tun. Sie wollen es selber schaffen oder sie sind durch ihre ganze Schwurzeit damit konfrontiert gewesen. Du musst dich halt anstrengen, du bemühst dich nicht genug, also das ist auch relativ schwer aus dem Kopf rauszukriegen und dann melden sie sich halt erst, wenn es wirklich gar nicht mehr geht. 

 

Das Zentrum „Integriert Studieren“ hat ein vielfältiges Team und vielfältige Aufgaben. Gerade Anfang März gibt es viele Fragen. 

Levec: Also es gibt auch jetzt im Sommersemester Studien-Einsteigerinnen, wo es natürlich am Anfang einige Fragen gibt, wie organisiere ich mein Studium. Auch solche Dinge wie, bekomme ich Studienbeihilfe und wenn ja, welche Nachweise muss ich erbringen? Gibt es da irgendwelche Erleichterungen für Menschen mit Behinderung, dass sie vielleicht mehr Zeit haben? Dann haben wir seit einigen Jahren die sogenannte Mindeststudienleistung, dass man eben in den ersten vier Semestern eine gewisse Anzahl von Credits nachweisen muss und da gibt es eben für Studierende mit Beeinträchtigung eine Erleichterung, also die müssen das jetzt nicht nachweisen, weil eben gerade der Studieneinstieg öfter mal doch sehr herausfordernd sein kann, bis man sich orientiert hat, bis alle technischen Hilfsmittel funktionieren. Bis man sozusagen den Switch von der Schule ins Uni-Leben geschafft hat, vielleicht auch noch an einen neuen Wohnort gezogen ist, Assistenz organisieren muss und viele, viele andere Dinge. Der andere ist, dass der Semesteranfang, so wie der Semesterende immer Prüfungshochsaison ist. Und weil wir am Zentrum integriert studieren, ein Service haben, das bei der Umsetzung vom sogenannten abweichenden Prüfungsmodus unterstützt, haben wir da jetzt momentan damit auch sehr viel zu tun. Das heißt, Studierende, die zum Beispiel mehr Zeit für Prüfungen bekommen, die ein ruhiges Prüfungsumfeld brauchen, die bestimmte Hilfsmittel, bestimmte Programme brauchen, um Prüfungen zu schreiben, die einfach barrierefreie Prüfunterlagen brauchen, die schreiben ihre Prüfungen zumeist. In Räumen, die wir zur Verfügung stellen, mit Aufsicht, die wir zur Verfügung stellen. Und da gibt es einiges zu koordinieren, zu organisieren. Und ja, also das ist sozusagen der zweite Schwerpunkt. Und der dritte ist dann mit Semesterbeginn kommen auch die neuen Leselisten zum Beispiel in Seminaren. Und weil wir auch Studienliteratur barrierefrei adaptieren, landet da jetzt auch schon einiges an Material bei uns.

 

Am Zentrum Integriert Studieren gibt es ein Beratungsangebot speziell für Personen mit Neurodivergenz und psychischen Beeinträchtigungen. Hier erhalten Studierende etwa Tipps, wie sie sich den Lehrstoff einteilen und auf Prüfungen vorbereiten. Bei anderen geht es um Prüfungsangst, um die Frage, ob sie mehr Zeit für schriftliche Prüfungen bekommen können oder ob sie auch den Raum für kurze Pausen verlassen dürfen. Ich habe Barbara Levc auch gefragt, was es braucht, damit mehr Frauen mit Behinderung studieren können. 

Levec: Es braucht wirklich auch mehr Unterstützung generell im Bildungssystem, also der Anteil von Frauen, die uns kontaktieren, ist fast doppelt so hoch wie der von Männern, aber sehr viele, gerade so im Neurodivergenz-Spektrum, gerade Frauen kommen oft zu uns, weil sie ihre Diagnose erst an der Uni bekommen haben. Und das ist eben gerade ein Phänomen, gerade bei ADHS und Autismus, dass Mädchen da oft nicht unterstützt werden, dass das nicht diagnostiziert wird, weil die Symptome oder das Verhalten anderes ist als bei Buben. Also bei Buben hat man so dieses Bild dieser hyperaktiven Kinder, die die ganze Zeit rumspringen, laut sind und nicht still sitzen können. Bei Mädchen zeigt sich das oft ganz anders, eher, dass sie so den Eindruck machen, sehr verträumt zu sein oder auch so Mädchen. Das ist sogenannte Masking, dass man unter großer persönlicher Anstrengung versucht, sich anzupassen, ist bei Mädchen wesentlich stärker ausgeprägt und darum werden die oft nicht in ihrer Schulzeit nicht wirklich gut unterstützt. Dann, wenn sie an die Uni kommen und dann dort ihre Diagnose bekommen, dann ist das oft eine Erleichterung zu wissen, ich bin weder zu blöd noch zu faul. Da gibt es wirklich was Handfestes. Und gerade bei Menschen jetzt zum Beispiel mit Sehbehinderung oder Blindheit oder mit körperlichen Behinderungen habe ich schon manchmal auch den Eindruck, dass schon sozusagen vom familiären Umfeld nicht so viel hinein investiert wird in die Bildungslaufbahn, als das vielleicht bei Burschen der Fall ist. Es ist für Angehörige oft eine große Herausforderung. Wirklich eine inklusive Schule. Muss man wirklich schon sagen, durchzustreiten von Anfang bis zum Ende. Es wird im Moment auch eher wieder schwieriger und da ist schon mein Eindruck, dass man sich da vielleicht für die Burschen, dass da vielleicht mehr Einsatz da ist, als es oft einmal für Mädchen der Fall ist.

 

Momentan ist viel vom Sparen im Sozialbereich die Rede. In der Steiermark wird derzeit über Einsparungen bei der Schulassistenz diskutiert, wodurch Kinder mit hohem Unterstützungsbedarf weniger Hilfe im Regelunterricht erhalten könnten. Gleichzeitig soll der Ausbau der Sonderschulen vorangetrieben werden. Das kritisiert Barbara Levc. Sie fordert, das mehr in Inklusion als in Sonderstrukturen investiert wird. Barbara Levc hat Uniability mitbegründet, eine Arbeitsgemeinschaft von Behindertenbeauftragten, Betroffenen und anderen Personen, deren Ziel es ist, die Studien- und Arbeitsbedingungen an allen österreichischen Universitäten und Hochschulen zu verbessern und die Interessen der Betroffenen in der Öffentlichkeit zu vertreten. Welche Tipps hat sie für Studienanfängerinnen und Anfänger? 

Levec: Wer im Herbst starten will, jetzt schon möglichst mit der Wunschuni oder Zieluni Kontakt aufzunehmen, zu schauen. Es gibt also an allen Universitäten und lange nicht an allen, aber doch an immer mehr Fachhochschulen, gibt es Ansprechstellen. Entweder die heißen barrierefrei studieren, inklusiv studieren integriert studieren als Diversität und Barriere-Freiheit. Also da Ansprechstellen und sich da schon vorher einmal zu informieren. Wer sind meine Ansprechpersonen? Wenn es jetzt auch um zum Beispiel Aufnahmeverfahren gibt, wie zum Beispiel fürs Psychologiestudium, gibt es ja Aufnahmeverfahren oder auch fürs Lehramtsstudium. Auch da gibt es die Möglichkeit eines angepassten Prüfungsmodus. Also da möglichst jetzt schon, auch wenn das jetzt stressig ist, noch parallel zur Matura, schauen, dass man da schon Kontakte bekommt und sich da schon einmal vorinformieren. 

Knopp: Was ich auch gefunden habe im Internet, was ich sehr schön fand, war, ihr Leitsatz ist, Inklusion ist Work in Progress. Wie kam es dazu? 

Levc: Weil ich ursprünglich, also wie ich mit meiner Tätigkeit an der Uni Graz gestartet bin, habe ich so als mein Berufsziel angegeben, ich möchte überflüssig werden. Ich möchte, dass die Uni so barrierefrei, so inklusiv ist, dass es mich eigentlich nicht mehr braucht. Aber es kommen immer wieder neue Themen, immer wieder neu Herausforderungen, weil sich die Welt halt weiterentwickelt und weil wir halt im digitalen Bereich im Bereich der Beeinträchtigungen und auch, weil sich die Studien so ändern. Also für so eine Zeit, wo ich studiert habe, da konnte man sich sein Studium wesentlich freier einteilen, als es jetzt der Fall ist und auch freier gestalten. Also ich habe mir dann schon durchaus Lehrveranstaltungen oder Themen ausgesucht, wo ich gewusst habe, das ist für mich auch gut und diese Möglichkeiten gibt es jetzt viel, viel weniger. Das heißt, Man muss immer weiter daran arbeiten, deswegen immer Work in Progress, weil es werden immer wieder neue Fragen, neue Themen auftreten, weil auch unser Service ist damit gewachsen, dass Studierende uns mit neuen Herausforderungen zu uns gekommen sind und wir dann dafür eine Lösung gesucht haben. Und ich habe in der Zwischenzeit in einem Artikel noch etwas gelesen, was mir auch sehr gut gefällt, auch so im Hinblick auf, wenn sozusagen die Inklusion manchmal in Diskussion steht. Inklusion bedeutet, mit Widersprüchen zu leben, ohne diese immer ganz auflösen zu können. Also es gibt nicht immer die sofortige, die für alle beste, einfachste, glatteste Lösung. Aber man muss sich halt hinarbeiten. 

Knopp: Das ist ein schönes Schlusswort. Levc: Dankeschön, dass Sie sich die Zeit genommen haben für unser Gespräch.