Dabei sein im Arbeitsleben - Chancen für alle! Der Podcast von dabei-austria.

Zwischen Chatbot und Vertrauensperson: KI in der Jugendberatung

Episode Summary

Chatbots helfen bei Hausübungen, unterstützen beim Schreiben von Bewerbungen und beantworten Fragen, die man früher vielleicht einer Beraterin oder einem Freund gestellt hätte. Wie verändert sich die Arbeit mit Jugendlichen dadurch? Und wie ist es um Datenschutz bestellt?

Episode Notes

Chatbots helfen bei Hausübungen, unterstützen beim Schreiben von Bewerbungen und beantworten Fragen, die man früher vielleicht einer Beraterin oder einem Freund gestellt hätte. Wie verändert sich die Arbeit mit Jugendlichen dadurch? Können Chatbots echte Unterstützung bieten? Und wie viel von uns geben wir preis, wenn wir einer KI unsere Fragen, Sorgen und Zukunftspläne anvertrauen? Darum ging es bei den Workshops und Redebeiträgen bei den Jugendcoaching-Fachtagen von dabei-austria im April 2026. Ich habe mich mit drei Vortragenden getroffen und nachgefragt, was Künstliche Intelligenz für die Praxis im Coaching bedeutet. 

Daniel Lohninger ist einer der beiden Geschäftsführer der Epicenter Academy, dem Bildungswerk der Non Government Organisation „epicenter works“ mit Sitz in Wien. Die NGO setzt sich für die Grund- und Freiheitsrechte im digitalen Zeitalter ein. Daniel Lohninger ist seit mehr als 15 Jahren dabei und vermittelt den Jugendlichen ein Gefühl dafür, welche Daten von ihnen gesammelt werden und vor allem, was damit passiert. 

 Unternehmen speichern die Daten ja nicht einfach nur, sondern versuchen, etwas über uns herauszufinden. Das nennt sich Profiling, das heißt, es werden Profile über alle Menschen erstellt und man versucht Eigenschaften herauszufinden über Menschen. Das sind hunderttausende Eigenschaften, sogenannte Datenkategorien, für ein paar Milliarden Menschen gespeichert bei diesen Datenhändlern und das macht uns halt sehr berechenbar. Und das mit Daten werden gehandelt.

94 Prozent der 11- bis 17-jährigen nutzt KI-Chatbots. Das zeigte eine Erhebung von Saferinternet im Februar 2026. 90 Prozent nutzen ChatGPT, knapp ein Viertel der Befragten sogar täglich. Stefan Kühne befasst sich beruflich viel mit Künstlicher Intelligenz. Er ist selbstständiger Lehrbeauftragter und Erwachsenenbildner für die Themen Online-Beratung, digitale soziale Arbeit und KI in der sozialen Arbeitet und unterrichtet an Hochschulen in Österreich und Deutschland. 

 Und dann sehen wir natürlich einerseits eine ganz starke Nutzung für schulische Zwecke, für Nachhilfe zum Lernen und so was. Aber, und das wäre meine Prognose für die kommenden Jahre, wir sehen eben schon einen hohen Anteil von Jugendlichen. Die diese KI-Chatbots auch zu Themen des persönlichen Lebens fragen. Das sind zu Problemen in der Schule, mit den Eltern, in Beziehungen, in Freundschaften. Das heißt, Jugendliche fangen an, Klammer auf, Erwachsene machen das auch Klammer zu, diese KI Chatbots zu sehr privaten oder auch intimen Themen zu fragen. Und oftmals vertrauen sie diesen Antworten dann auch.

Was man beim Einsatz von KI bei Bewerbungsschreiben beachten sollte, darüber spreche ich mit Peter Marsch, Geschäftsführer von Jobsbutler, einem Unternehmen das Menschen bei der Jobsuche und beruflichen Weiterentwicklung unterstützt. 

SERVICE: 

Rainer Mühlhoff, „Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus, 2025 Reclam-Verlag 

Emily Bender, Alex Hanna, The AI-Con – How to fight big techs hype and create the future we want, 2025 Harper Collins 

Emily M. Engelhardt/Stefan Kühne, Künstliche Intelligenz in der Beratung. Ein Kompass für die systemische Praxis, 2025 V&R 

 

Podcast:

Deutschland-Funk über Peter Thiel:Die Peter Thiel Story (1/6) - Willkommen im Thielverse

Deutschland Funk über OpenAI:Die OpenAI Story: Der große Verkäufer

Europäische Chatbot-Alternativen: 

chat.mistral.ai

lumo.proton.me

 

LINKS:

dabei-austria.at

Home - Saferinternet.at

epicenter.works - epicenter.works

Home | epicenter.academy

Stefan Kühne Künstliche Intelligenz Onlineberatung TrainingStefan Kühne | Onlineberatung / Training / Jugendarbeit

jobsbutler.com 

 

Episode Transcription

# Signation 

Clips: Lohninger: Ich bewege mich im Internet so, dass ich versuche, möglichst bewusste Entscheidungen zu treffen, welchen Browser nutze ich, welche Suchmaschine nutze ich, damit möglichst wenig aufgezeichnet wird. Ich suche mir halt aus, wo ich sensible Daten eingebe, suche mir Tools aus, die privater sind, wenn es um meine persönlichen Kontakte geht. Zum Beispiel Gespräche mit engem Bezugspersonen. Kühne:  Es gibt auch da aktuelle Studien aus dem letzten Jahr aus England, wo man gesehen hat zum Beispiel, dass Kinder, Jugendliche mit erhöhtem Förderbedarf manchmal eben eher bei der KI andocken können. Die erleben eine positive Kommunikation in einem KI-Chatbot. Marsch: Eine große Rolle, die KI spielt, ist in der Selektion der Unternehmen. Die Unternehmen bekommen viele Lebensläufe geschickt und analysieren das sehr oft, wenn es größere Betriebe sind, nicht mehr durch eine menschliche Sichtung, sondern durch ein ATS-System, Application Tracking System, ein System, das die Lebensläufe oder die Daten, die geschickt werden, analysieren kann, nach Schlagworten zertifizieren kann und dann Entscheidungen trifft. 

Mod: Herzlich Willkommen, sagt Sandra Knopp. Künstliche Intelligenz ist für Jugendliche längst zum alltäglichen Begleiter geworden.Chatbots helfen bei Hausübungen, unterstützen beim Schreiben von Bewerbungen und beantworten Fragen, die man früher vielleicht einer Beraterin oder einem Freund gestellt hätte. Wie verändert sich die Arbeit mit Jugendlichen dadurch? Können Chatbots echte Unterstützung bieten? Und wie viel von uns geben wir preis, wenn wir einer KI unsere Fragen, Sorgen und Zukunftspläne anvertrauen? Darum ging es bei den Workshops und Redebeiträgen bei den Jugendcoaching-Fachtagen von dabei-austria im April 2026. Ich habe mich mit drei Vortragenden getroffen und nachgefragt, was Künstliche Intelligenz für die Praxis im Coaching bedeutet. 

Lohninger: Also überraschen tut die Jugendlichen, wie massiv Daten gesammelt werden, obwohl sie sich dessen sehr bewusst sind. Sie wissen, dass ihnen sehr viel zugeschaut wird, sie finden das auch gar nicht cool. Sie wissen nur oft nicht, dass sie Auswahlmöglichkeiten haben, dass die hier selber Schritte setzen können und dass wir als Gesellschaft auch in einem Prozess sind, wo wir uns das ausmachen, wo wir auch dagegen angehen können, dass das nicht in Stein gemeißelt ist, wie es heute ist. Und da tut ihnen das oft sehr gut, wenn wir ihnen das erzählen und auch erzählen, dass wir da dran arbeiten. 

Mod: Daniel Lohninger ist einer der beiden Geschäftsführer der Epicenter Academy, dem Bildungswerk der Non Government Organisation „epicenter works“ mit Sitz in Wien. Die NGO setzt sich für die Grund- und Freiheitsrechte im digitalen Zeitalter ein. Daniel Lohninger ist seit mehr als 15 Jahren dabei und vermittelt den Jugendlichen ein Gefühl dafür, welche Daten von ihnen gesammelt werden und vor allem, was damit passiert. 

Lohninger:  Unternehmen speichern die Daten ja nicht einfach nur, sondern versuchen, etwas über uns herauszufinden. Das nennt sich Profiling, das heißt, es werden Profile über alle Menschen erstellt und man versucht Eigenschaften herauszufinden über Menschen. Das sind hunderttausende Eigenschaften, sogenannte Datenkategorien, für ein paar Milliarden Menschen gespeichert bei diesen Datenhändlern und das macht uns halt sehr berechenbar. Und das mit Daten werden gehandelt.

Mod: Lohninger erzählt von der Xandr, einem der größten Datenmarktplätze, der inzwischen von Microsoft übernommen wurde. Eine Analyse aus dem Jahr 2023 zeigt, wie detailliert Menschen dort für Werbezwecke erfasst werden: Mehr als 650.000 verschiedene Kategorien dienen, dazu, Personen einzuordnen und sie mit möglichst zielgerichteter Werbung anzusprechen. Der gläserne Mensch scheint also längst keine Zukunftsvision mehr zu sein. Und das bringt weitere Risiken mit sich.

Lohninger: Zumindest werden Profile über uns gehandelt und das Problem ist auch, dass der Staaten Zugriff darauf haben, dass das auch für Geheimdienste genutzt wird und wir natürlich auch sehen, was damit passiert, wenn hier undemokratisch vorgegangen wird und eben Daten gegen uns verwendet werden. 

Mod: Die Workshops der Epicenter Academy zum Thema digitale Selbstverteidigung sind für Schülerinnen und Schüler ab 12 Jahren gedacht. Die Jugendlichen erfahren, dass sie dem unbegrenzten Datensammeln nicht hilflos ausgeliefert sind. 

Lohninger: Einmal zu überlegen, womit suche ich Informationen? Welche Suchmaschine ist das? Vielleicht eine andere zu nehmen, außer Google, die alles auf ewig speichert, was ich suchen will. Ich kann mir auch am Browser einen anderen auswählen, der datenschutzfreundlicher ist. Ich kann mir einen Inhaltsblocker besorgen, der die Cookies, das ist die führende Überwachungstechnologie, wo mir mehrere hundert Firmen über die Schulter schauen bei dem, was ich tue. Wo ich dann auf jeder Webseite, die ich besuche, die Schuhe wiederfinde, die ich mir mal angesehen habe, das kann ich blockieren, mit Inhaltsblockern zum Beispiel auf meinem Gerät, das lässt sich einfach installieren oder auch einfach mal auf dem Gerät selber auf meinem Smartphone App-Berechtigungen durchforsten und schauen, welcher App, welchem Dienst gebe ich wie viel Zugriff. 

Mod: Apropos Zugriffsrechte und Sicherheit: Für Daniel Lohninger ist sichere Kommunikation ein wichtiges Thema.

Lohninger: Verschlüsselte Kommunikation im Internet ist ein bisschen komplizierter als Verschlüsselung bei allem, wo wir hingehen können, weil da reicht ein Schlüssel, das Prinzip käme von der Türe. Ich habe einen Schlüssel zum Zusperren und zum Aufsperren. Das funktioniert im Internet nicht so gut, weil wenn ich nur einen Schlüssel habe zum Zusperren und zum Aufsperren muss ich den Schlüssel mitschicken übers Internet, dann brauche ich nicht verschlüsseln oder ich muss mich mit jeder Person auf ein Café treffen um den Schlüssel auszutauschen und da haben sich Gott sei Dank schlaue Mathematiker etwas überlegt, nämlich asymmetrische Verschlüsselung und da habe ich zwei Schlüssel. Ein Schlüssel ist nur zum Zusperren und mit dem kann ich vollkommen freizügig sein. Den kann ich über das Internet schicken, den kann ich auf einen Server stellen, den kann ja die Wand sprayen, den kann ich wo aufdrucken, ist vollkommen egal, weil der ist nur zu zusperren. Und der dazugehörige Schlüssel, der wieder zum Aufsperren da ist, der bleibt immer auf meinem Gerät. Und so kann ich auch übers Internet sicher verschlüsseln.

Mod: Der Informations- und Kommunikationspädagoge verwendet den Messenger-Dienst Signal und das hat folgenden Grund. 

Lohninger: Wir schauen uns WhatsApp und Signal an. WhatsApp sagt, sie sind Ende zu Ende verschlüsselt. Das heißt, sie haben dieses System mit zwei Schlüsseln implementiert. Es ist aber nicht Open Source. Wir können nicht in den Quellcode reinschauen. Wir wissen nicht, was wirklich programmiert ist in dem Programm. Wir müssen der Firma vertrauen, dass keine Hintertüren eingebaut sind. Und es ist von der Firma Meta, das heißt, selbst wenn der Inhalt nicht gelesen wird oder gelesen werden kann... Wird auf jeden Fall ausgewertet, wer da mit wem spricht, wie oft, von wo aus, wie lange und das wird auf jedem Fall ausgewertet und wieder verkauft. Bei Signal zum Beispiel, das ist Ende zu Ende verschlüsselt, das is open source, da kann man reinschauen, wie das funktioniert, das es eben sicher verschlüsselt und da werden keine Daten gespeichert und noch keine Daten verkauft. 

Ein Dauerbrenner bei den Datenschutz-Workshops für Jugendliche ist ein altbekanntes Thema: Das sichere Passwort. 

Lohninger: Passwörter müssen länger sein als viele glauben, damit sie nicht geknackt werden können. Wir empfehlen über 32 Zeichen und das Wichtigste wäre, einen Passwortmensch anzulegen, das heißt einen Tresor für meine Passwörter, damit ich das händeln kann, dass ich wirklich für jedes Konto ein einzigartiges Passwort verwenden kann, das auch sicher ist. 

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich einen ganzen Passwort-Satz überlegen.

Lohninger: Das heißt einen ganzen Satz, wo ich dann vielleicht auch noch manche Buchstaben durch Zahlen ersetze oder ein paar Sonderzeichen einfüge. Das kann ich mir dann viel leichter merken und komme so auf eine hohe Zeichenanzahl. 

Mod: Manche Menschen sagen: Datenschutz ist so aufwendig, das rechnet sich doch nicht. Dieses Argument lässt Daniel Lohninger nicht gelten. Der Zeitaufwand lässt sich reduzieren, wenn man sich mit dem Thema auseinandersetzt. Außerdem es ist wichtig zu erkennen, dass Daten gegen uns verwendet werden können. 

Lohninger:  Menstruationstracker zum Beispiel, die Daten der Userinnen verkaufen - damit Werbung zyklusabhängig angezeigt werden kann. Das heißt da werden Daten von uns gegen uns verwendet, die, wo wir gar nicht wissen, dass die gespeichert und gegen uns verwenden werden und Privatsphäre ist halt ein Allgemeingut. Privatsphäre ist entscheidend für einen liberalen demokratischen Staat. Wenn es keine Privatsphäre mehr gibt, dann funktioniert Demokratie nicht. Es braucht Freiräume. Ein Staat oder eine Gesellschaft, die von einer Firma kontrolliert wird, die alles weiß über uns ist keine Demokratie mehr. 

Mod: Bei Epicenter Academy gibt es ein E-Learning zur digitalen Selbstverteidigung, wo man etwa Tipps zum Schutz vor Cyber-Kriminalität findet. Auch Menschen vom Fach, wie Daniel Lohninger kann es schon einmal passieren, dass trotz aller Vorsicht ein Lapsus passiert. In solchen Fällen ist es wichtig unmittelbar zu reagieren. 

Lohninger: Also ich bin auch schon auf Phishing reingefallen und habe meine Kreditkartendaten schon wo eingegeben und im Moment wo ich abschickt habe ist mir aufgefallen, das war jetzt vielleicht keine gute Idee. War aber auch schon müde, es hat genau zu dem Tag gepasst und das ist natürlich sehr gezielt passiert. In dem Fall habe ich die Kredit-Karte gesperrt. Wenn ein Account betroffen ist, dann sollten wir mal schauen, komme ich noch rein? Dann das Passwort ändern, am besten zwei Faktor-Authentifizierung aktivieren. 

Mod: Und wenn man noch Passwörter mehrfach verwendet hat, was ich früher auch einmal gemacht habe, wie ich noch nicht so reflektiert habe über diese Themen, dann das Passwärter überall ändern, wo das auch so verwendet wurde. 

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte auf Sicherheitsupdates Wert legen. 

Lohninger: Wenn Software-Updates kommen für Programme oder auch vor allem fürs Betriebssystem, sofort machen, weil spätestens zu dem Zeitpunkt, wo das Update heraus ist, wissen auch die Kriminellen, die sonst nicht zu viel Geld in Sicherheitslücken, in Unbekannte investieren, dass es da eine Lücke gibt und ab dann wird die genutzt.

Mod: Das E-Learning zur digitalen Selbstverteidigung finden Sie online auf epicenter.acedemy. Datenschutz ist auch in der Verwendung von Künstlicher Intelligenz ein zentrales Element. 94 Prozent der 11- bis 17-jährigen nutzt KI-Chatbots. Das zeigte eine Erhebung von Saferinternet im Februar 2026. 90 Prozent nutzen ChatGPT, knapp ein Viertel der Befragten sogar täglich. Stefan Kühne befasst sich beruflich viel mit Künstlicher Intelligenz. Er ist selbstständiger Lehrbeauftragter und Erwachsenenbildner für die Themen Online-Beratung, digitale soziale Arbeit und KI in der sozialen Arbeitet und unterrichtet an Hochschulen in Österreich und Deutschland. 

Kühne:  Und dann sehen wir natürlich einerseits eine ganz starke Nutzung für schulische Zwecke, für Nachhilfe zum Lernen und so was. Aber, und das wäre meine Prognose für die kommenden Jahre, wir sehen eben schon einen hohen Anteil von Jugendlichen. Die diese KI-Chatbots auch zu Themen des persönlichen Lebens fragen. Das sind zu Problemen in der Schule, mit den Eltern, in Beziehungen, in Freundschaften. Das heißt, Jugendliche fangen an, Klammer auf, Erwachsene machen das auch Klammer zu, diese KI Chatbots zu sehr privaten oder auch intimen Themen zu fragen. Und oftmals vertrauen sie diesen Antworten dann auch.

Mod: Dazu maßgeblich beigetragen hat, dass seit Chat GPT 4.0 die Antworten empathischer erscheinen. Waren es zuvor Vorschläge, wie aus der Ratgeberliteratur, simuliert der Chatbot nun deutlich mehr Anteilnahme. Das haben natürlich auch andere Anbieter beobachtet. 

Kühne:  Chat GPT ist deswegen relevant, das zeigen ja die Zahlen auch von Safer Internet, weil es einfach das meist mit Abstand, das meistgenutzte KI Chatbot-Tool ist bei Jugendlichen. Und es ist ja auch so in der öffentlichen Wahrnehmung, wenn Menschen über KI sprechen, wird ChatGPT fast synonym verwendet für andere Tools. Aber klar ist eben auch, dass die meisten Programme ein Interesse daran haben. Mich zu halten in der Kommunikation und deswegen sind die ja so empathisch und so unterstützend und wertschätzend und bestärkend und und und , weil die natürlich wollen, dass ich länger interagiere mit dem Tool.

Mod: Die Chat-Bots sind ein Online-Gegenüber das rund um die Uhr verfügbar ist, empathisch und das immer einen Ratschlag am Bildschirm parat hat. Das kann die Erwartungen an zwischenmenschliche Beziehungen verändern, gibt Stefan Kühne zu bedenken. 

Kühne:  Das ist wie bei den Partnerschaftsbörsen im Internet. Das ist das gleiche Phänomen. Man hat einen Online-Flirt oder eine Online-Kommunikation und trifft die Person dann im realen Leben und stellt fest, ah, das ist irgendwie ganz anders. Und bei den KI-Chatbots ist es so, die sind so, die Menschen projizieren so viel da hinein in eine Beziehung, in die Resonanz, in diese Antwort. Und dann ist sie eben immer verfügbar, immer wertschätzend. Der bestätigt mich ganz oft. Und ich glaube, ab einem gewissen Lebensalter wissen wir alle. Dass das im realen Leben mit realen Beziehungen eben nicht so der Fall ist. Und eine Studie aus England hat dann als These für die kommenden Jahre, diese untersuchen werden, ob sich hier nicht die Beziehungsfähigkeit von jungen Menschen ändert, wenn sie vor allen Dingen auch diese bestärkende, verfügbare Beziehungserfahrung mit KI haben, aber die reale Welt eben nicht. 

Mod: Die Studie von Safer-Internet zeigte, wofür KI als digitale Vertrauensperson zum Einsatz kommt. 6 von 10 Jugendlichen holen sich bei Liebeskummer, Stress oder Konflikten Ratschläge von der KI. 4 von 10 Jugendlichen finden es oft hilfreicher eine KI zu fragen als einen Menschen. Und 3 von 10 Jugendlichen besprechen Sorgen oder Gefühle mit der KI. Erwachsenen rät Kühne genauer hinzuhören, wie und warum sie Chatbots nutzen. 

Kühne: Das müssen wir mal in Erfahrung bringen in einem vertrauensvollen Gespräch, und zwar so, dass das nicht wertend ist. Aber als Beispiel, wenn ein achtjähriges Mädchen in einer Untersuchung sagt zu ihrer Mutter, Mama, du verstehst mich nicht, ChatGTP versteht mich, dann habe ich das an ein Thema, das zu besprechen gilt. Ich würde mal voraussetzen, es braucht Interesse auf Seiten der Eltern, der Lehrpersonen, der Jugendarbeiterinnen, der Sozialarbeiterinnen. Interesse an den digitalen Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen. Um dann herauszufinden, was machen die Kinder und Jugendliche eigentlich da und was ist daran auch hilfreich? Das können wir gar nicht ausschließen. Das kann ja auch hilfsreich sein. Und was ist aber auch gefährdend, immer dann, wenn es real weltliche Auswirkungen hat und sich zum Beispiel Kinder und Jugendliche zurückziehen? Und nur noch nach diesen KI-Kommunikationen leben. Und das macht es glaube ich so schwierig für uns Erwachsene zu verstehen, dass die Antworten, die müssen nicht per se schlecht sein, nur weil es KI-Antworten sind. Die können auch unterstützend sein. 

Mod: Von der Qualität der Antworten sind die Jugendlichen von der safer-internet Studie  jedenfalls großteils überzeugt. 90 Prozent der Befragten finden die Antwort der KI insgesamt hilfreich. 57 Prozent bewerten diese als gut. Stefan Kühne stellt aber eine Frage, die viele haben: Was ist, wenn die Antwort nicht gut ist. Wer trägt dann die Verantwortung? 

Kühne: Den Unterschied, den ich noch mal sehe, und der ist ein bisschen, ich sage mal, ein bisschen dringender Macht für mich, ist, dass diese KI-Chatbots einfach unglaublich mächtige Kommunikationstools sind, die nie für Kinder und Jugendliche gemacht wurden. Ja, das heißt, das sind, sagen wir, ausgewachsene Tools. Und damit sind sie viel mächtiger, was die Kommunikation angeht, wie Social Media das ist. Und das ist ein bisschen mein Unbehagen, dass wir eben dahinschauen müssen, was für eine Art von Kommunikationserleben Kinder und Jugendliche dort erleben. 

Kühne: Die Chatbots archivieren sehr persönliche Informationen ihrer Nutzerinnen und Nutzer. Und die Frage ist immer: Was passiert damit? 

Kühne: Also was ich finde eben, wir müssen jetzt mal die KI-Chatbot-Nutzung gut beobachten und auch mit Studien untersuchen, was da eigentlich passiert. Auf der zweiten Ebene, glaube ich, müssen wir schon politisch diskutieren, was bedeutet das und wollen wir das? Und wollen wir zum Beispiel, dass im Wesentlichen US-amerikanische Firmen diese Art von Einfluss haben auf die digitale Kommunikation. Ja, mit allem was sagen da dran hängt, mir wäre der Hinweis auf Rainer Mühlhoffs Buch, KI und der neue Faschismus ganz wichtig, dass wir einfach sehen, da werden Weltbilder mit verbraten, die sehen wir nicht sofort bei der KI-Chatportnutzung, aber das sind die Bilder, die dahinterstehen. Ich glaube, das können wir nicht wollen. 

Mod: Das angesprochene Buch von Rainer Mühlhoff mit dem Titel „Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus“ ist 2025 im Reclam-Verlag erschienen. Was in der Diskussion rund um Chat GPT & Co untergeht ist, welche europäischen Angebote es gibt, meint Stefan Kühne. 

Kühne:  Wenn wir KI-Chatbots selbst nutzen in Arbeit, dann sollten wir doch schauen, dass wir zum Beispiel ... Europäische Alternativen nutzen, wie Mistral oder Lumo aus der Schweiz. Also eher auf diese Tools schauen, wo wir das Gefühl haben, die sind ein bisschen besser im Sinne von dahinterstehendem Weltbild oder eben auch DSGVO-Konformität. Sandra: Wie sind die europäischen Alternativen? Haben Sie sich die schon angeschaut? Wie sind die im Vergleich zu ChatGPT?  Kühne:  Sie sind nahe zugleich auf, also gerade Le Chat von Mistral aus Frankreich. Das gibt sich jetzt ganz wenig in den Nuancen, wenn man sich die Benchmark anschaut. Und ich glaube, dass da die Reise hingehen wird. Also eher auf europäische Lösungen setzen mit dem Hinweis darauf, dass die sich eben zum Beispiel an die Datenschutz-Grundverordnung halten müssen und die da einfach datenschutzrechtlich einen gesicherteren Raum haben. 

Mod: Stefan Kühne wünscht sich, dass Medienkompetenz einen höheren Stellenwert in der schulischen Ausbildung von Kindern und Jugendlichen bekommt. Erwachsene, die mit Jugendlichen arbeiten, werden immer mehr zu KI-Lotsen und Lotsinnen ist er überzeugt. 

Kühne: Liebe Jugendlichen, wir wissen, dass ihr KI nutzt. Völlig wertungsfrei. Punkt zwei. Wir geben euch Tipps an die Hand, worauf ihr achten solltet, wenn ihr das nutzt und Punkt drei. Wenn ihr irgendeine Frage habt zu dem KI-Ergebnis, ihr das nicht versteht oder unsicher seid. Ob das korrekt ist, sind wir für euch da als Jobcoaches. Ich glaube, dass wir gut daran tun, uns proaktiv ins Spiel zu bringen und diese KI-Thematik zu integrieren in Beratungsprozesse. Weil was ja auch, glaube ich, klar ist, dass diese KI so eine Thematik nicht weggeht, nicht weggehen wird, wird eher noch zunehmen. Und ich glaube, wir tun gut daran, zu gucken, wo kann da unsere Position sein in der Beratung. 

Mod: Künstliche Intelligenz habe einige positive Facetten, die man stärker zum Vorteil von Jugendlichen nutzen könne: Etwa zur digitalen Nachhilfe. 

Kühne:  Oder Kinder, Jugendliche, die sich schriftlich unsicher sind, die sich Tipps holen zum eigenen Text, den Text korrigieren lassen oder Vorschläge machen lassen. Jugendliche, die sich bei der Bewerbung Unterstützung holen oder Jugendliche die schwierige Gesprächssituationen üben mit einem KI-Chatbot. Das sind alles so viele positive Aspekte, die man eben auch mit in die Waagschale werfen muss. Und dann kommt man eben dazu, dass es keine einfachen Lösungen gibt. 

Mod: Literatur- und Podcast-Tipps zum Thema „Umgang mit Künstlicher Intelligenz“ finden Sie in den Shownotes. Stefan Kühne hat gerade angesprochen, dass viele junge Menschen sich beim Schreiben von Bewerbungen von KI unterstützen lassen. Was man dabei beachten sollte, darüber spreche ich mit Peter Marsch, Geschäftsführer von Jobbutler, einem Unternehmen das Menschen bei der Jobsuche und beruflichen Weiterentwicklung unterstützt. Im Bereich Outplacement begleitet es Mitarbeitende nach dem Ausscheiden aus einem Unternehmen bei der beruflichen Neuorientierung und auf dem Weg zu einer neuen Stelle.

Marsch:  Eine große Rolle, die KI spielt, ist in der Selektion der Unternehmen. Die Unternehmen bekommen viele Lebensläufe geschickt und analysieren das sehr oft, wenn es größere Betriebe sind, nicht mehr durch eine menschliche Sichtung, sondern durch ein ATS-System, Application Tracking System, ein System, das die Lebensläufe oder die Daten, die geschickt werden, analysieren kann, nach Schlagworten zertifizieren kann und dann Entscheidungen trifft. Das ist der wesentlichste Faktor. Ansonsten kann ich KI als Bewerber natürlich auch einsetzen, indem ich jetzt Bewerbungsgespräche simuliere und Stärken und Schwächen analysiere. Also da steht man ganz am Anfang, ob das und wieweit das einen Menschen ersetzen kann. 

Dabei gilt es folgendes zu beachten. 

Marsch:  Also grundsätzlich ATS-Systeme mögen keine Grafiken und mögen keine Bilder, sondern wollen nur Buchstaben und Worte. So arbeiten diese. Und je mehr ich meine Informationen in Grafik oder schön bunt verpacke, umso schlechter wird es gelesen. Entscheidend ist, wie immer auch schon, sind die Schlagworte, die ich einbringe, abhängig davon, nach welchen Schlagworten eine Position oder der Mitarbeiter für eine Position selektiert wird. Wenn ich jetzt im Kfz-Bereich bin, muss ich Begriffe, die mit KFZ-Automotive zu tun haben, positionieren. Wenn ich in einem Dienstleistungsbetrieb wie einem Friseur tätig sein möchte, muss ich Kreativität, künstlerische Fähigkeiten plus entsprechende Ausbildung vorweisen. Es müssen Worte sein. Die zum Job passen. Der Lebenslauf ist fast wichtiger als das Motivationsschreiben. Das Motivationsschreiben dient vor allem dazu, dem Empfänger zu erkennen, warum eigentlich dieses Mail gekommen ist. Weil in diesen Posteingängen der Personalverteilung sind nicht nur Bewerbungen, sondern es sind unterschiedliche Mails. 

Mod: Der Tabellarische Lebenslauf ist immer noch am beliebtesten, sagt Peter Marsch. Er rät die fachlichen und persönlichen Kompetenzen in den Vordergrund zu stellen. Bewerberinnen und Bewerber können KI bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen nutzen, sollten ihre Vorschläge jedoch kritisch prüfen. Wer etwa behauptet, eine berufliche Kompetenz mit der Muttermilch aufgesogen zu haben, wirkt nicht authentisch. 

Marsch:  Ja, also das Wichtigste ist einmal, dass nicht der Eindruck entsteht, dass sie das zu 100% mit KI konstruiert haben. Also das heißt, wenn Sie in ein KI-Programm hineingehen und sagen, dann stelle mir ein Bewerbungsschreiben, da ist mein Lebenslauf, dass ich die Firma konzipiere etwas, dann ist das oft zu perfekt und kommt deshalb nicht gut an, es muss immer zum Beruf passen. Wenn wir dann das Gefühl haben, wenn das mal ein Mensch liest, dass das, was diese Person geliefert hat, nicht zu dieser Person passt, sondern konstruiert wurde, ist das ein großer Minuspunkt. Also ich selber mache es immer so, dass ich Texte verfasse und dann mit der KI einfach Probe lesen lasse. Schau mal drüber, kann nichts verlängern oder verkürzen damit, aber es ist dann immer noch als Autor meine persönliche Note dabei. 

Mod: Peter Marsch erwähnt im Gespräch einen Begriff, der mich neugierig macht: bei der Jobsuche spricht er von einem „verdeckten Arbeitsmarkt.“ 

Marsch:  Nur in etwa ein Drittel, wenn man so will, die Spitze des Eisbergs ist sichtbar. Zwei Drittel aller Stellenbesetzungen werden im Kontext der Stellenbesetzung nicht ausgeschrieben, weil man es entweder vorhatte oder weil man eh nicht mehr daran glaubt, hier einen Mitarbeiter zu finden oder weil das Budget einfach nicht da ist für die Stellenbesetzung. Stellenanzeigen sind mit 100 Euro, ein paar hundert Euro muss man investieren. Und vor allem ist das ja auch nur ein Investment, limitiert auf vier bis sechs Wochen. Da muss man das wiederfinanzieren in den großen Jobbörsen. Also ist es so, dass Firmen recht froh sind, wenn sie Initiativbewerbungen bekommen und diese sichten können, weil das Recruiting in dem Fall kostet nichts. Man hat auch den Vorteil, dass man einen Bewerber hat oder eine Bewerberin, die ich ohne Konkurrenz einstellen kann. Also ich spar mir auch den ganzen Recruiting-Prozess. Nur entscheidend ist bei diesem verdeckten Arbeitsmarkt, dass die Aktivität in dem Fall nicht von der Firma, sondern vom Bewerber ausgeht. Wenn ich mich jetzt zum Beispiel als Kfz-Techniker für diesen Beruf interessieren und bewerben möchte, kann ich entweder warten, bis ich eine Personalanzeige sehe im Printbereich oder im Onlinebereich oder der Firmenwebseite oder kann rein theoretisch so hergehen und und sagen Warum? Bewerbe ich mich nicht bei allen Kfz-Werkstätten bei mir im Bezirk. Proaktiv. Suche mir die Adressen heraus und schreibe 15, 20 KFZ-Werkstätte an. Das kann ich für alle Berufe machen und kann so in diesen sogenannten verdeckten, nicht sichtbaren Jobmarkt eintreten. 

Mod: Mehr Mut zur Initiativbewerbung also. 

Marsch:  Im Grunde genommen Mut zur Proaktivität. Nicht sitzen und warten, bis etwas aufscheint, sondern einfach proaktiv sich bewerben. Ich kann auch hergehen und alle Kfz-Werkstätten an einem Vormittag oder Nachmittag besuchen und meine Unterlagen abgeben beim Empfang, wenn ich jetzt nicht den digitalen Weg gehen möchte. Ich kann auch überall anrufen. Ich würde fast sagen, es ist günstiger, persönlich vorbeizugehen, die Mappe abzugeben. In einer Glassichtfolie, das muss jetzt nicht ein gebundenes Werk sein. Wenn ich das mache... Wird sehr rasch zum Erfolg führen.

Mod: Vor allem, wenn man beim Bewerbungsgespräch von Anfang an einen guten Eindruck macht. 

Marsch:  Viele Bewerber glauben, das Bewerbungsgespräch beginnt erst in der Phase, wenn ich im Interviewzimmer sitze und ein Gespräch führe. De facto beginnt es viel früher. Es beginnt beim Empfang, wenn ich mich vorstelle, weil viele eine weitere Folge sich mit dem Empfang abstimmen und halt dann fragen, wie sich der Bewerber benommen hat. Authentische Umgangsformen sind ebenfalls genauso wichtig dabei. 

Mod: Das war doch ein schönes Schlusswort. Wenn Ihnen berufliche Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderung wichtig ist, dann teilen Sie bitte diese Podcastfolge – mit ihren Familien, mit Freund:innen, mit Kolleg:innen und allen, denen Inklusion am Herzen liegt.  Abonnieren Sie den Podcast, damit Sie keine Folge verpassen. Mehr über die Forderungen von dabei-austria an die Arbeitsmarktpolitik lesen Sie unter dabei-austria.at  Auf Wiederhören und bis zum nächsten Mal, sagt Sandra Knopp. 

 

SERVICE: 

Rainer Mühlhoff, „Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus, 2025 Reclam-Verlag 

Emily Bender, Alex Hanna, The AI-Con – How to fight big techs hype and create the future we want, 2025 Harper Collins 

Emily M. Engelhardt/Stefan Kühne, Künstliche Intelligenz in der Beratung. Ein Kompass für die systemische Praxis, 2025 V&R 

 

Podcast:

Deutschland-Funk über Peter Thiel:Die Peter Thiel Story (1/6) - Willkommen im Thielverse

Deutschland Funk über OpenAI:Die OpenAI Story: Der große Verkäufer

Europäische Chatbot-Alternativen: 

chat.mistral.ai

lumo.proton.me

 

Websites:

dabei-austria.at

Home - Saferinternet.at

epicenter.works - epicenter.works

Home | epicenter.academy

Stefan Kühne Künstliche Intelligenz Onlineberatung TrainingStefan Kühne | Onlineberatung / Training / Jugendarbeit

jobsbutler.com